„Ich war neulich auf einer Feier. Von fünfzehn Anwesenden haben drei davon erzählt, dass sie ihre Eltern betreuen. Das ist viel, finde ich. (...). Der Staat allein wird das nicht schaffen. Ich sehe das sehr dramatisch. Und ich denke mir: Wenn wir Babyboomer nicht selbst Verantwortung für uns übernehmen, dann wird das richtig schwierig.
Quelle: Diakonieverein Rastatt e.V.
Ich war neulich auf einer Feier. Von fünfzehn Anwesenden haben drei davon erzählt, dass sie ihre Eltern betreuen. Das ist viel, finde ich. Diese beiläufige Beobachtung bestätigt mein Gefühl: In Zukunft werden immer mehr ältere Menschen auf Unterstützung angewiesen sein. Gleichzeitig gibt es zu wenige helfende Hände – und zu wenig Geld. Der Staat allein wird das nicht schaffen. Ich sehe das sehr dramatisch. Und ich denke mir: Wenn wir Babyboomer nicht selbst Verantwortung für uns übernehmen, dann wird das richtig schwierig.
Aus dieser Überzeugung heraus engagiere ich mich ehrenamtlich als rechtliche Betreuerin. Ich unterstütze drei Menschen, die nicht zu meiner Familie gehören. Das tue ich nicht nur aus Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesellschaft, sondern auch aus einem sehr persönlichen Grund. Ich komme aus einem sehr, sehr liebevollen Elternhaus. Und wenn ich meine Betreuten anschaue, sehe ich darin manchmal auch ein bisschen meine eigenen Eltern. Auf diese Weise möchte ich Danke sagen – auch wenn ich es nicht mehr direkt an sie richten kann.
Ich mache dieses Ehrenamt sehr gerne, weil es mir das Gefühl gibt, wirklich etwas Sinnvolles zu bewirken.
Da war zum Beispiel diese demenzerkrankte ältere Dame, die sich kaum noch äußern konnte. Manchmal habe ich mich gefragt, was ihr vertraut sein könnte. Wenn ich dann sowieso vor Ort bin, nehme ich mir ein paar Minuten Zeit, mich neben sie zu setzen, etwas zu singen oder einfach still bei ihr zu bleiben. Man begegnet harten Schicksalen – wirklich harten. Einerseits muss ich Mitgefühl empfinden können, um helfen zu können. Andererseits brauche ich auch die Fähigkeit, innerlich Abstand zu halten, weil es sonst zu schwer wird.
Diese kleinen Momente der Nähe sind es, die dieses Ehrenamt so wertvoll machen. Und zugleich gehören Struktur, Ordnung und Verlässlichkeit genauso dazu. Ohne eine gute Ablage verliert man schnell den Überblick. Man muss wissen, wo was liegt, und sehr diszipliniert arbeiten.
Doch auch wenn all das gelingt, stoße ich immer wieder an Grenzen. Es wird an allen Ecken gespart, und dann stellt sich ganz konkret die Frage: Wie soll das funktionieren? Eigentlich bräuchten wir mehr Personal, mehr Zeit und mehr Menschen, die sich kümmern. Am Ende kreist die Debatte jedoch fast immer ums Geld. Neulich habe ich Diskussionen aus den Kreistagen verfolgt – da wird selbst ein Schlagloch schnell zu einem Politikum. Und dabei muss man sich klarmachen: Hier geht es letztlich nicht um Straßen, sondern um Menschen. Über Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, ihre Arbeitskraft, ihre Energie, alles in Staat und Gesellschaft eingebracht haben. Wir dürfen diese Menschen nicht alleine lassen!
Für mich ist dieses Ehrenamt kein Opfer. Es ist ein Zurückgeben. Und es ist getragen von der Überzeugung: Ohne ehrenamtliches Engagement geht es nicht.
Wenn Sie auch für jemanden da sein möchten, nehmen Sie Kontakt mit uns auf: